Gambit
(von li:) Gambit 2020: Hartmut Mahnkopf, Nils Hasse, Thomas Unterfranz und Wolfgang Kahle

GAMBIT in der DDR – Ein Abenteuer

Gambit – ein Rückblick auf den 3. Februar 1990

Gambit
Die Gruppe Gambit 1990

Vor 30 Jahren, am 3. Februar 1990 trat die Vienenburger Rock-Gruppe GAMBIT zusammen mit der Band De Massage im Jugendclubhaus Hans Beimler auf. Der Bruder von Nils Hasse, Mitglied bei GAMBIT aus Vienenburg, fuhr Weihnachten 1989 gen Osten. Weil noch Platz im PKW war, wurden zwei Tramper aus der DDR mitgenommen. Sie kamen ins Gespräch und einige Tage später wurde das Konzert perfekt gemacht. Die Fahrt von Vienenburg nach Quedlinburg und besonders zurück, werden die damaligen Bandmitglieder, Dirk Anderskewitz, Nils Hasse, Wolfgang Kahle und Hartmut Mahnkopf nie vergessen.

Odyssee nach Quedlinburg

Morgens um 10 Uhr wurde der LKW beladen und die Gruppe machte sich frohen Mutes auf den Weg nach Quedlinburg. Thomas Reisepatt der Techniker und Wolfgang Kahle im LKW, die anderen Bandmitglieder im PKW vorweg. Über den Grenzübergangspunkt vor unserer Haustür in Wennerode mit dem LKW etwa eine Stunde Fahrzeit, dachten wir. Doch erstens kommt es anders, aber der Reihe nach. In Wennerode angekommen, passierte der PKW ohne weiteres die beiden Grenzkontrollen. Der LKW wurde vom BGS angehalten, bei der Frage: “Wo wollen Sie denn hin?” Haben wir uns noch nichts weitergedacht. “Nach Quedlinburg”. Doch die Antwort schickte Sorgenfalten auf Wolfgang Kahles Stirn. “Das wird wohl nichts werden. Unsere Kollegen aus dem Osten werden sie nicht passieren lassen, dies ist kein LKW-Übergang, aber sie dürfen es gerne versuchen.” Und es kam wie befürchtet. Die VOPOS ließen die beiden, mit dem Hinweis einen LKW-Übergang aufzusuchen, nicht einreisen. Blauäugig wie beide nun einmal waren, meinten sie: “Na dann auf nach Eckertal.” Doch auch hier bremste der Grenzer den LKW brutal aus. “Ne, Ne, das ist auch kein LKW Übergang, Sie müssen nach Marienborn!”. Helmstedt-Marienborn – DDR Grenzübergang. Wir wollten aufgeben. Mittlerweile kam Nils Hasse aus dem PKW zu uns gelaufen, wir informierten ihn und Thomas meinte: “Komm kein Thema, das machen wir.” Wolfgang ließ sich darauf ein. Voller Muffe was uns am Grenzübergang erwartet, von LKW ausladen bis zum Einreiseverbot, diskutierten wir auf der Fahrt so ziemlich alles durch. In Helmstedt angekommen, reihten wir uns mit unserem kleinen LKWchen zwischen die ganzen Trucks und harrten der Dinge, die da kommen sollten. Als wir an der Reihe waren, reichten wir dem Grenzer unsere Pässe und die Liste mit dem Equipment, die wir noch eilig zusammengestellt hatten. Er beäugte sie skeptisch und verschwand mit unseren Unterlagen in einem Gebäude. “Thomas, das war es, jetzt dürfen wir den LKW allein ausladen.” Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Hochrangig dekorierte Grenzbeamte gingen ins Gebäude, kamen mit ernstem Blick wieder raus. Dann endlich kam der Beamte mit unseren Unterlagen zurück: “Können Sie beweisen, dass sie ein Musikkonzert in Quedlinburg geben möchten und was für Musik machen Sie?”, “Rockmusik. Aber beweisen?” Da fiel mein Blick auf die Goslarsche Zeitung mit unserem Artikel drin. Er las sich das durch und meinte: “Nun gut, aber in Zukunft bitte die Liste in zweifacher Ausfertigung.” Er fragte, ob er die Zeitung behalten dürfte und als wir zustimmten, zeigte er uns sogar noch den Weg. Der war allerdings heftig. Wir machten den Fehler und befuhren die Straßen die auf der Karte als dünne Linien zu erkennen waren. Schlagloch an Schlagloch und bei jedem schepperte das Schlagzeug hinten im Wagen. Gegen 17 Uhr kamen alle, total kaputt, endlich in Quedlinburg an. Anstatt der angedachten 70, hatten wir gute 220 Kilometer abgerissen. Was für ein Wahnsinn.

Ein voller Erfolg

Der Jugendclub war proppenvoll, über 100 Fans waren im Raum, das Konzert war ein voller Erfolg. Es kamen auch Weggefährten aus dem Westen und zusammen wurde eine tolle Party gefeiert. Um Mitternacht war der Auftritt vorbei. Für die Band war ein Hotel gebucht. Aber wir LKW-Fahrer waren uns einig, wir fahren wieder. So machten wir uns mitten in der Nacht wieder auf den Weg gen Westen. In der Zwischenzeit hatte es ordentlich gestürmt und geregnet. Armdicke Äste lagen auf den Straßen und so kamen wir nicht gerade zügig voran. Und immer wieder der Blick nach links zur hellerleuchteten Grenze, dahinter war unser Zuhause. Eigentlich nur einen Steinwurf entfernt. Zu allem Überfluss neigte sich die Tanknadel gegen null. Die Hoffnung in Magdeburg eine Tanke zu finden, erfüllte sich nicht. Wir schafften es noch gerade bis zur Autobahn-Raststätte. Es war mittlerweile 3.30 Uhr und wir mussten ja noch über die Grenze. In Marienborn angekommen, erlebten wir zu unserer Überraschung einen etwas entspannteren Grenzer. Auch er wollte einen Beweis für unser Konzert. Wir zeigten ihm eines unserer Plakate. Er fragte, ob er es behalten dürfte? Er durfte und wir durften passieren. Um 8 Uhr am frühen Sonntagmorgen standen alle vor der Garage und dachten noch: Wir haben das geschafft, was BAP vor sechs Jahren vergeblich versucht hatte.

Heute, nach 30 Jahren, ist die Band noch aktiv und macht Musik bei Stadtfesten und Motorradtreffen. Heute wohnen Nils Hasse (Gesang und Gitarre) in Bad Harzburg, Hartmut Mahnkopf (Bass) in Wülperode, Thomas Unterfranz (Trommler) in Vienenburg und Wolfgang Kahle (Gitarre) in Gielde. Geübt wird jeden Mittwoch zusammen auf einem Bauernhof in Flöthe.