Altlast Florentz

Altlast Florentz

Gutachter schlägt Bergung von bis zu 200 Giftfässern vor

Endgültige Entscheidung über Sanierungsvariante obliegt der Politik / Kostensteigerung in Millionenhöhe

Die Sanierung und Erkundung der Altlast Florentz auf dem Gelände der ehemaligen Deponie Morgenstern wird den Landkreis auch in den kommenden Jahren weiterhin intensiv beschäftigen und könnte bei Land und Landkreis Kosten in Millionenhöhe verursachen. Das ist die zentrale Nachricht, die am heutigen Abend von der öffentlichen Informationsveranstaltung der Kreisverwaltung im Dorfgemeinschaftshaus Othfresen ausging.

Aktuell sind die Mitarbeiter des Deponiemanagements vor allem mit dem Umgang der Giftfässer beschäftigt, die bei Bauarbeiten im Juni vergangenen Jahres zu Tage traten.
Eine im Winter beauftragte historische Erkundung, die anhand alter Fotoaufnahmen und Akten den Umfang des Fassvorkommens evaluieren sollte, bestätigte Anfang Februar die Erkenntnisse unmittelbar nach dem Fund durchgeführter Suchschachtungen (der Landkreis berichtete mehrfach), dass sich vor allem im Randbereich des Deponiekörpers – direkt unterhalb der Basisabdichtung – weitere Fässer befinden. Schätzungen gehen von 150 bis 200 Fässern aus. Ein weiteres Fassvorkommen vermuten die Gutachter im Bereich des tiefsten Punktes des ehemaligen Tagebaus.

In den weiteren Gebieten des ehemaligen Fasslagers, das sich den historischen Erkenntnissen zu Folge von der ehemaligen Schachthalle ausgehend bis zum benannten tiefsten Punkt des Tagebaus erstreckte, halten die Experten Fassfunde zwar für möglich in der großen Fläche jedoch für unwahrscheinlich.

Die bei der IABG in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie befasste sich in der Folge mit möglichen Sanierungsvarianten, die sich auf die Erkenntnisse des Gutachtens der historischen Erkundung stützen.
Insgesamt haben die Experten der IABG in den zurückliegenden Wochen sieben mögliche Sanierungsszenarien betrachtet, die von einer so genannten Nullvariante, bei der neben der Oberflächenabdichtung keine weiteren Bergungs- oder Sicherungsmaßnahmen vorgesehen wären, bis zu einer vollständigen Auskofferung des Deponiekörpers reichen.

Eine endgültige Entscheidung, welche Sanierungsvariante letztlich verfolgt werden soll, wurde zwar noch nicht getroffen, die fachliche Bewertung zielt jedoch ganz eindeutig auf das Szenario 3 ab, dass die vollständige Auskofferung des HotSpots im Randbereich der Deponie zum Ziel hat. Sie stellt eine geeignete Möglichkeit dar, Giftfrachten zu reduzieren und einen wirksamen Beitrag zur Schadstoffbelastung des Grundwassers zu leisten. Eine Belastung der Umwelt außerhalb des ehemaligen Deponiegeländes konnte bis dato nicht nachgewiesen werden. Dies belegen die Daten des vom Landkreis regelmäßig durchgeführten Monitorings.

Die Auskofferung des Deponierandbereichs wird mit Kosten zwischen 2,5 bis 4,5 Millionen Euro kalkuliert. Die Verteilung der Kosten muss zwischen dem Landkreis Goslar und den Niedersächsischen Landesforsten als Eigentümer des Grundstückes verhandelt werden.

Bis dato wurden für die Erkundung und Sanierung der Altlast Florentz rund 3,47 Millionen Euro veranschlagt. Durch die Bergung der Fassfunde im Randbereich der Deponie könnte sich die Summe mehr als verdoppeln.

Laut Einschätzung der Experten vom Deponiemanagement des Landkreises Goslar ist diese Maßnahme jedoch wichtig, da sie die Möglichkeit bietet, einen nicht unerheblichen Anteil giftiger Stoffe zu bergen und fachgerecht zu entsorgen.
Die Entscheidung, welche Sanierungsvariante am Ende durchgeführt wird, soll im Mai durch die begleitende Projektgruppe Morgenstern vorbereitet und noch vor der Sommerpause von der Politik getroffen werden. Parallel dazu erfolgen die Gespräche mit dem Land respektive den Landesforsten die nun erforderlichen Maßnahmen in der getroffenen vertraglichen Vereinbarung zu berücksichtigen.

Neben der Erkundung und Sanierung der Altlast Florentz laufen weiterhin die Arbeiten zur Oberflächenabdichtung der ehemaligen Mülldeponie. Das ursprünglich ausgegebene Ziel, die Arbeiten im Herbst dieses Jahres vollständig abzuschließen, wird vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen nicht mehr eingehalten werden können. Durch die wahrscheinliche Bergung der Giftfässer wird sich die Vervollständigung der Oberflächenabdichtung bis ins Jahr 2020 verlagern. Dennoch, so die gegenwärtige Einschätzung, werden bis Herbst 2018 rund 90 Prozent des Deponiekörpers abgedeckt sein.